Warum Bildungspolitik sozial gedacht werden muss!
Einiges am österreichischen Bildungssystem ist gut. Vieles geht aber noch besser! Warum Bildung immer sozial gedacht werden muss? Weil wir uns zugleich diese Fragen stellen müssen: haben alle die komplett gleiche Bildung oder können sich manche Bildung leichter leisten? Wer hat mehr Hürden und wer hat weniger und wie sieht das eigentlich aus? Wer hat mehr Möglichkeiten und wer wird aus dem Bildungssystem ausgeschlossen?
Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht so aussieht, haben in Österreich nicht alle Menschen denselben Zugang zu Bildung.
Vielleicht kennt ihr das Bild mit den verschiedenen Tierarten, die alle die Aufgabe bekommen, auf einen Baum zu Klettern. Es ist natürlich klar, dass das nicht fair ist, weil sich der Affe mit seinen Händen viel leichter tun wird als beispielsweise der Elefant. Umgemünzt auf den Bildungsbereich sieht es auch so aus, dass die einen sich aufgrund von Umständen, leichter oder schwerer tun werden. Jedes Kind ist nun mal ein ganz eigenes Individuum. Hindernisse können finanzielle Aspekte sein, eine Beeinträchtigung, das familiäre Umfeld, sprachliche Hürden und andere.
Wir stehen für Bildung, die alle mitnimmt und in der es echte Chancengerechtigkeit gibt! Jedes Kind, jeder Mensch, muss individuell gefördert werden mit den ganz eigenen Talenten, unabhängig davon wo es herkommt. Ein Kind kann nichts für die eigenen Umstände, sehr wohl können wir aber was für den Zugang zu Bildung. Da Bildung ein Menschenrecht ist, sollte es eigentlich gar nicht zur Diskussion stehen müssen, dass alle die gleichen Bildungschancen und -möglichkeiten haben sollen.
Ein sozialdemokratisches Verständnis von Bildung meint Bildung von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter. Unsere Vision versteht Bildung als erstes als Persönlichkeitsentwicklung und nicht als reine Ausbildung, die man nun mal machen muss, um als erwachsener Mensch irgendwann einen Job zu haben. Wenn wir uns hier aber mal nur auf Kinder und Jugendliche, also Kindergarten bis Matura, konzentrieren: wie müssen Kindergärten und Schulen aussehen, damit sich die Kinder am besten entfalten können und damit ihre Interessen und Stärken gefördert werden können? Damit auch Familien als gesamtes davon profitieren können?
Es spielen viele Faktoren in das Betreuungs- und Schulsystem mit rein, bei denen es Verbesserungspotential gibt. Für die Eltern zum Beispiel, wer kennt es nicht, ist es oft eine enorm große Herausforderung, Kinderbetreuung und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Vor allem, wenn man es sich auch nicht leisten kann, „nur“ Teilzeit zu arbeiten. Das Angebot von guter und ganztägiger Kinderbetreuung im Kleinkind- und Kindergartenalter kann eine enorme Entlastung sein. Das kann dann auch weiter gehen, wenn die Kinder älter sind. Und zwar durch die Gesamtschule in Ganztagesform.
Wieso Gesamtschule? Weil Kinder nicht schon so jung in verschiedene Gruppen, durch willkürliche Trennungen, eingeteilt werden sollen. Das hat keinen einzigen Mehrwert für Kinder und gäbe es die Gesamtschule, würde das Stress und Leistungsdruck nehmen. Sobald die Jugendlichen dann 14 oder 15 Jahre alt sind, haben sie vielleicht auch schon eher herausfinden können, wo ihre eigenen Interessen eigentlich liegen und in welche Richtung ihre Ausbildung weiter gehen soll. Und warum ganztags? Einerseits müssen viele Eltern einfach Vollzeit arbeiten und können nach der Schule nicht beim Kind sein. Andererseits bietet ganztägiges Angebot Kindern und Jugendlichen einen Ort in sicherer Umgebung, wo neben Zeit für Lernen auch Zeit für Freizeit und Aktivität ist. Damit können die Kinder direkt im schulischen Rahmen schnelle Unterstützung bekommen und möglichen Schwierigkeiten kann frühzeitig entgegengewirkt werden.
So haben die Kinder und Jugendlichen auch mehr Zeit, sich mit den eigenen Interessen, aber auch mit dem gelernten Stoff auseinanderzusetzen. Jetzt sind Lehrpläne oft komplett vollgestopft und es kann nicht ausreichend auf die Schüler_innen eingegangen werden, wodurch viele Kinder dann Nachhilfe an teuren Nachhilfeinstituten braucht. Das ist wieder ein ganz klarer Fehler im jetzigen Bildungssystem, da die Schule ja der Ort ist, an dem Wissen vermittelt werden soll – nicht zusätzlich noch auf eigene finanzielle und zeitliche Kosten!
Natürlich müssen Schulen dafür auch ausgestattet sein. Kinder und Jugendliche verbringen eh schon einen ordentlichen Teil ihrer Zeit in der Schule. Da ist es doch das mindeste, dass Schulen Orte sind, an denen man auch halbwegs gerne Zeit verbringt. Wenn man schon hin muss, dann so, dass es auch Spaß machen kann und man nicht gleich mit der „Kein-Bock“ Einstellung rein gehen muss! Schulen müssen und sollen nicht nur eine Ausbildungsstätte, mit weißen Wänden und frontal angeordneten Klassenzimmern sein, sondern eben auch ein Lebensraum. Mit Mensen, Aufenthaltsräumen, Kreativräumen und Platz für Bewegung. Dazu gehört auch, dass endlich alle Schulen auf dem neuesten Stand der Digitalisierung ankommen müssen! Hallo, es ist 2022 und als würde das nicht als Argument für moderne ausgestattete Schulen reichen: seit zwei Jahren haben wir Corona und auch digitale Mittel sind ein absolutes Must-Have. Es muss in die Infrastruktur von Schulen, räumlich und digital, investiert werden, um Kindern eine qualitative Schulbildung zu bieten!
Natürlich spielen auch die Mitarbeiter_innen an der Schule eine wichtige Rolle für den Lebensraum Schule! Die Ausbildung von Lehrpersonen muss einen gewichtigen Teil in der Ausbildung einnehmen, damit kompetente, engagierte und motivierte Leute unsere Kinder unterrichteten! (Hattet ihr auch diese eine Lehrperson, wo ihr euch einfach dachtet: warum zur Hölle hat diese Person einen Beruf mit Kindern und Jugendlichen ergriffen?!) Auch anderes Fachpersonal wird neben Lehrenden an Schulen gebraucht. An vielen Schulen gibt es noch gar keine Schulpsycholog_innen oder Schulsozialarbeiter_innen. Falls es sie gibt, in sehr geringem Ausmaß. Hier besteht eindeutig Aufholbedarf. Die Kindheit und Jugend sind einerseits unbeschwerte Jahre. Aber, wie wir alle wissen, können das auch sehr herausfordernde Zeiten sein! Kinder und Jugendlichen brauchen in ihrem schulischen Weg, aber auch dem Weg zum Erwachsen-Werden, die bestmögliche Unterstützung!
Erst, wenn sie die und noch vieles mehr haben, ist Schule sozial!
Bildquellen:
Nr. 1 https://www.fuehren-und-wirken.de/konzentration-auf-staerken/
Nr. 2 https://www.vs-gilgenberg.at/
Nr. 3 https://pixabay.com/de/illustrations/benutzerbild-kunden-kundschaft-2191932/
Nr. 4 https://grundschulverbund-erft-swist.de/glueckliche-kinder-halten-haende-in-einer-reihe/